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"Im Jugendbereich gibt es Probleme? - 05.02.2015

Im Gespräch mit Serge Bix, dem Präsidenten der Luxemburger Fußball-Trainervereinigung Alef; „Im Jugendbereich gibt es Probleme“



In Zukunft sollen mehr Trainer dazu ermuntert werden, einen Schein zu erwerbenSerge Bix ist seit dem vergangenen Jahr Präsident der Luxemburger Fußball-Trainervereinigung Alef („Association luxembourgeoise des entraîneurs de football“). Im Interview mit dem LW macht der Coach der Niederkorner Frauen deutlich, dass es im Jugendbereich noch nicht genügend diplomierte Trainer gibt. Über eine Mitgliedschaft in der Alef, die bereits seit 39 Jahren existiert, sollen nun die Coaches dazu ermuntert werden, sich über den Erwerb von Scheinen theoretisches und praktisches Wissen anzueignen.




Warum ist es wichtig, eine Trainervereinigung wie die Alef zu haben?



Fußball ist zunächst einmal die Hauptsportart im Land. Deshalb gibt es auch unzählige Trainer, die auf unterschiedlichen Ebenen tätig sind. Im Jugendbereich sind es beispielsweise sehr, sehr viele. Wir hören aber immer wieder, dass es dort Probleme gibt. Teilweise werden die Spieler nicht gut genug ausgebildet. Sie weisen dann im Seniorenbereich taktische Defizite auf. Uns ist es wichtig, den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Wir wollen die Jugendtrainer so gut wie möglich begleiten. Deshalb haben wir auch ein Tutorat für sie, aber auch für Trainer im Seniorenbereich eingeführt. Zudem bieten wir auf unserer Internetseite eine Jobbörse an, auf der die Vereine mitteilen können, wenn sie auf der Suche nach einem Coach sind. Wir wollen es den Clubs auch demnächst ermöglichen, sich die Profile von Trainern anzuschauen, die auf dem Markt sind. Schließlich bemühen wir uns auch um einen guten Dialog mit den Schiedsrichtern und den internationalen Trainervereinigungen.



Auf der vergangenen Generalsammlung waren nur 28 von 122 Mitgliedern anwesend. Wie wollen Sie für mehr Dynamik sorgen?



Ich will zunächst betonen, dass wir uns neu aufstellen mussten, nachdem im vergangenen Jahr bei der Generalversammlung von acht Vorstandsmitgliedern fünf ihre Tätigkeit beendet haben, darunter auch der Präsident, der Sekretär und der Kassierer. Uns ist es seitdem gelungen, wieder mehr Mitglieder für unsere Vereinigung zu gewinnen. Nun müssen wir einfach versuchen, mit guten Angeboten dafür zu sorgen, dass die Mitglieder wieder öfters anwesend sind.



Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Fußballverband FLF aus?



Die Beziehung hat sich in den beiden vergangenen Jahren stark verbessert. Dies war mir persönlich auch ein wichtiges Anliegen. Die FLF organisiert nämlich alle Weiterbildungen. Wir arbeiten sehr gut mit ihr zusammen. In der Vergangenheit war es eher ein Gegeneinander. Jetzt hat aber jeder erkannt, dass wir im selben Boot sitzen. Die finanzielle Unterstützung der FLF ist extrem wichtig für uns. Sie zahlt beispielsweise den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 1 500 Euro an die Allianz europäischer Fußballtrainer-Verbände Aefca („Alliance of European Football Coaches Associations“) und stellt uns bei Lehrgängen das Trainingsmaterial zur Verfügung.



Wie reagieren Sie, wenn jemand behauptet, dass ein Trainer keinen Schein benötigt?



Ich will zunächst einmal betonen, dass ein Inhaber eines Trainerscheins nicht zwangsläufig ein guter Coach ist. Es gibt auch Trainer ohne Schein, die eine ausgezeichnete Arbeit leisten und auch Erfolg haben. Wer jedoch einen Schein besitzt, hat eine Ausbildung genossen und verfügt über eine gewisse Erfahrung in verschiedenen Bereichen. Er weiß haargenau, warum er verschiedene Übungsformen in sein Training integriert. Er lässt nicht falsch trainieren. Wir muntern deshalb all unsere Mitglieder auf, um Scheine zu erwerben. Wie weit sie danach gehen wollen, müssen sie allerdings selbst für sich entscheiden. Um in der BGL Ligue tätig zu sein, muss man beispielsweise über den Uefa-A-Schein verfügen.



Wie reagieren Sie auf Vereine, deren Trainer nicht über das nötige Diplom verfügen und die dann auf dem Spielberichtsbogen eine andere Person angeben, die die Bedingungen erfüllt?



Wir halten natürlich nicht viel von solch einer Vorgehensweise. Die FLF will diesem Problem entgegenwirken, indem sie Vereine finanziell belohnt, die viele diplomierte Trainer in ihren Reihen zählt. Dies ist sicherlich lobenswert.



Muss ein Trainer über ein Diplom verfügen, um Mitglied bei der Alef zu werden?



Dies ist ein großes Diskussionsthema. Lange Zeit musste man ein B- oder A-Diplom haben, um Mitglied zu werden. In den vergangenen Jahren reichte es jedoch aus, Inhaber des C1-Scheins zu sein. Nach Gesprächen mit dem Fußballverband, an denen sich auch der Technische Direktor Reinhold Breu und Verbandspräsident Paul Philipp beteiligt haben, wurde klar, dass es im Nachwuchsbereich weiterhin Luft nach oben gibt. Im Anschluss daran haben wir entschieden, dass wir die Jugendtrainer, die kein Diplom besitzen, als Ehrenmitglieder aufnehmen. Durch diesen Kniff wurde ermöglicht, dass noch mehr Trainer dazu ermuntert werden können, Kurse zu belegen. Nun wollen wir die Statuten der Alef ändern, damit der neuen Konstellation auch auf schriftlicher Basis Rechnung getragen wird. Es ist allerdings ein schwieriger Spagat. Trainer, die über die nötigen Diplome verfügen, ärgern sich oft darüber, wenn Kollegen, die keinen Schein besitzen, einfach aufgenommen werden. Ich verstehe dies auch zum Teil. Ich will allerdings auch betonen, dass es in der Vergangenheit weniger zeitaufwendig war, Trainerscheine zu erwerben. Da gingen die Kurse während drei Wochenenden über die Bühne. Nun benötigt man nicht selten fünf bis sechs Jahre, um ein hohes Diplom zu erlangen. Und danach muss man sich auch noch weiterbilden, um weiterhin im Besitz der Trainerkarte zu sein. In diesem Zusammenhang suchen wir auch immer wieder den Dialog mit der FLF, um zu schauen, wie wir unseren Mitgliedern eine Teilnahme an den Kursen noch besser ermöglichen zu können.



In der BGL Ligue sind zurzeit elf von 14 Trainern Luxemburger. Begrüßen Sie dies?



Auf jeden Fall. Ziel muss noch immer sein, dass möglichst viele Luxemburger Spieler auf dem Feld und Luxemburger Trainer an der Seitenlinie stehen. Es ist natürlich manchmal schwierig. Bei den Trainern kann es vorkommen, dass nicht genügend Luxemburger auf dem Markt sind oder sie zu teuer sind. Es fehlt allerdings noch manchmal an der Bereitschaft, einem jungen talentierten Trainer eine Chance zu geben. Dann greifen die Vereine eben auf Ausländer zurück, was letztendlich aber auch legitim ist. In der Alef wird jeder Trainer, unabhängig von seiner Nationalität, aufgenommen.



Was macht einen guten Trainer aus?



Im Fußball zählt am Ende immer der Erfolg. An der Spitze trifft dies zudem noch extremer als im unterklassigen Bereich zu. Wer keinen Erfolg hat, der bekommt auch keine Zeit, um Entwicklungen voranzutreiben. Für einen Trainer ist es wichtig, dass er die vom Verein vorgegebenen Ziele erreicht.



Würden Sie der Aussage zustimmen, dass ein guter Trainer bei den Männern nicht zwangsläufig auch ein guter Trainer bei den Frauen oder im Nachwuchsbereich ist?



Auf jeden Fall. Jeder Trainer sammelt Erfahrungen. Ein Coach, der jahrelang mit Nachwuchsspielern zu tun hat, entwickelt ein Gefühl dafür, wie er am besten mit ihnen umgehen kann. Die einzelnen Bereiche kann man in meinen Augen nicht miteinander vergleichen. Auf psychologischer Ebene gibt es viele Unterschiede.



Luxemburger Wort 05/02/2015



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