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Titelverteidiger Ell gibt die Favoritenrolle weiter - 12.09.2014


Niederkorn und Junglinster gelten als Titelaspiranten, aber auch Aufsteiger Bettemburg wird stark einge schätzt




 


Jetzt wird es auch für Luxemburgs Fußball-Frauen wieder ernst. Die nationale Meisterschaft startet an diesem Wochenende in die neue Saison. Und vieles deutet darauf hin, dass sie so spannend wird wie nie zuvor. Zu den Favoriten zählen wieder Niederkorn und Junglinster. Titelverteidiger Ell hat Probleme.




„Die neue Spielzeit wird für uns schwieriger als die vergangene“, sagt Meistertrainer Paul Wilwerding. Der SC Ell hatte in der Vorsaison erstmals in der Vereinsgeschichte den Titel geholt – vor Niederkorn und Junglinster. „Was wir geschafft haben, war sehr schön. Das vergessen wir auch nie. Aber nun beginnt es wieder bei Null.“ Das Team befindet sich im Umbruch, es muss zudem mehrere Ausfälle verkraften. So gibt man die Favoritenrolle gern an andere weiter. „Wir sind nicht so stark wie in der Vorsaison“, so Wilwerding.



Vor allem in der Hinrunde ist die Personalsituation angespannt. Aus der Meistermannschaft haben Stéphanie Peller und Sarah Cardinali ihre Fußball-Laufbahn beendet. Mit den langzeitverletzten Manon Muller und Eunice Gomes, die jeweils Kreuzband-Operationen hinter sich haben, ist erst wieder zur Rückrunde zu rechnen. Für die Auftaktpartie gegen Wintger sind auch Torhüterin Tania Kartheiser, Neuzugang Samiah Poiré sowie Kelly Schuh fraglich oder nicht einsatzfähig. Leistungsträgerin Isabelle Kruchten fiel in der Vorbereitung lange verletzt aus.



Niederkorn rüstet auf



Als Titelfavoriten gelten erneut die Ex-Meister Niederkorn und Junglinster mit jeweils mehreren Nationalspielerinnen in ihren Reihen. Der 16-malige Titelträger Niederkorn hat mächtig aufgestockt. Eine große Gruppe Spielerinnen kam vom Nachbarclub Oberkorn, weshalb Niederkorn nun sogar zwei Teams gemeldet hat, zusätzlich zur ersten Mannschaft noch ein Team für die dritte Liga. „Ich wollte den Kader unbedingt verbreitern. Denn unser Hauptproblem in der Vorsaison war es, dass wir oft nicht genug Spielerinnen hatten. Wenn zum Beispiel die Nationalspielerinnen nicht da waren, war kaum noch gutes Training möglich“, erklärt Trainer Serge Bix.



Nun aber kann er aus dem Vollen schöpfen. Zusätzlich zu den Verstärkungen aus dem Inland sorgen die Neuzugänge Manon und Justine Maes sowie Hülya Yigci, die vom französischen Club Algrange gekommen ist, für ein Plus an Qualität. „Der interne Konkurrenzkampf ist viel größer geworden“, meint Bix, der dementsprechend hohe Erwartungen an sein neu formiertes Team hat. „Das Saisonziel ist klar: Wir möchten Meister werden.“ Die Vorbereitung sei bereits wunschgemäß gelaufen. „Wir sind physisch sehr präsent.“



Junglinster, der Titelträger der Jahre 2010, 2012 und 2013, startet mit dem neuen Trainer Pedro Cunha als Nachfolger von Carlo Calmes in die Saison. „Wir haben einen Kader mit vielen sehr guten Spielerinnen. Für uns ist die große Herausforderung, ob es uns gelingt, eine Einheit aus den erfahrenen und den teilweise noch sehr jungen Spielerinnen zu formen. Es war unser Problem in der Vorsaison, dass wir das noch nicht richtig geschafft hatten“, sagt Vorstandsmitglied Rose Settanni. Die langjährige Nationalspielerin kann der Mannschaft beim Auftakt wegen Rückenproblemen selbst nicht helfen.



In der neuen Saison spielen die beiden vermeintlichen Titelanwärter erst am neunten Spieltag gegeneinander. Morgen beim Auftakt trifft Junglinster auf Colmar-Berg. Niederkorn spielt gegen einen Gegner, der ebenfalls einen deutlich größeren Kader zur Verfügung hat als in der vergangenen Saison. Lintgen hat sich nämlich mit Böwingen zusammengetan. Auch den Vorjahressechsten Mamer hält Progrès-Trainer Bix für einen harten Konkurrenten: „Die Mannschaft war meiner Ansicht nach schon in der Vorsaison eine der physisch besten Teams. Und nun sind noch gute Neuzugänge hinzugekommen.“



Bettemburg wird viel zugetraut



Ein Aufsteiger hat ebenfalls bereits im Vorfeld viel Lob von den neuen Liga-Konkurrenten erhalten. Nach Ansicht von Wilwerding könnte Bettemburg sogar ganz oben mitspielen. Das Team habe sehr leistungsstarke junge Spielerinnen. Zudem sind die erstligaerfahrenen Andreia Machado und Sabrina Deda aus Niederkorn nach Bettemburg gewechselt.



Auch Colmar-Bergs Trainer Jean-Claude Kemmer traut den Bettemburgerinnen eine Menge zu. „Ich glaube, dass sie eine gute Rolle spielen können.“ Vor einem Jahr war Colmar-Berg als Aufsteiger in die höchste Liga gestartet. Nach einer überraschend starken Saison belegte man am Ende einen beachtlichen vierten Tabellenplatz. Nun stellt man sich auf eine schwierigere Saison ein.



Der Klassenerhalt ist diesmal leichter als in der Spielzeit 2013/14. Da die Liga 2015 aufgestockt werden soll, gibt es in der neuen Saison nur einen Absteiger, dafür sollen anschließend drei Teams aus der zweiten Liga hinzukommen. Insgesamt schätzen die Experten das derzeitige Niveau der höchsten Spielklasse, in der neben Bettemburg auch Canach als Aufsteiger neu dabei ist, als erneut verbessert ein. „Ich glaube, dass diesmal gleich mehrere Mannschaften um den Titel spielen können“, sagt Settanni. Auch Bix hält die Liga für deutlich stärker als in den Vorjahren: „Der Erste kann gegen den Letzten verlieren. Es kann die spannendste Saison werden, die wir je hatten.“



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